Progress before perfection
Ich befinde mich in einem Dilemma. Einerseits inspiriere ich meine Trainingsteilnehmer mit dem Pareto-Prinzip ganz nach dem Motto "Done is better than perfect". Perfektion lähmt uns, weil wir Angst haben, etwas falsch zu machen. Perfektion kostet Energie und lässt uns den Blick für das Wesentliche verlieren. Vor Jahren wurde in Vorstellungsgesprächen noch mit dem Begriff Perfektionist kokettiert, aber mittlerweile ist klar, dass Perfektionismus eher eine Schwäche als eine Stärke ist.
Zugleich bin ich ein großer Lean-Fan. Und hier kommt mein Dilemma. Ein Grundprinzip des Lean Managements ist das Streben nach Perfektion, eine fast unerreichbare Idee, die uns motiviert , die 100% Qualität anzustreben. Perfektion dient als Basis für die Kontinuierliche Verbesserung. Und wie das Wort KONTINUIERLICH schon sagt - Perfektion wird nie erreichbar sein, denn es geht immer ein kleines bisschen besser. Perfektion kann also hilfreich sein, um unsere Ziele zu definieren, weil sie uns dazu bringt, groß zu denken und uns anspornt, niemals aufzuhören, besser zu werden.
Aber ganz so einfach ist es leider nicht. Wenn Null-Fehler-Ziele als Slogan oder gar als Druckmittel eingesetzt werden, wirkt Perfektion nicht inspirierend, sondern eher frustrierend. Alle sollten sich darüber im Klaren sein, dass das gesetzte Ziel nicht wirklich erreichbar ist, sondern nur die Richtung vorgibt, in die es geht. Das heißt, es ist nicht mehr ein Ziel an sich, sondern eine Vision. Wenn wir dieser Vision von Perfektion folgen, müssen wir es also nicht perfekt machen. Wir müssen es nur so gut tun, wie wir es können. Bis wir es besser wissen.